Filmvorführung und Gespräch zum Dokumentarfilm SeaWatch3

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Mittwoch, 07. Oktober 2020 19:00–21:00 Uhr

Kursnummer W71101G
Datum Mittwoch, 07.10.2020 19:00–21:00 Uhr
Entgelt 0 €
Ort

Freizeitzentrum "Völkerfreundschaft"
Stuttgarter Allee 9
04209 Leipzig

Kursort

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"Du Komplizin von Menschenhändlern! Schäm dich!" schreien ihr Menschen am Pier entgegen. Als Carola Rackete im Hafen von Lampedusa unter Buhrufen und Jubel abgeführt wird, richten sich alle Kameras auf sie. Die deutsche Kapitänin hat die "Sea-Watch 3" mit Geflüchteten an Bord ohne Erlaubnis in den italienischen Hafen gesteuert und wird vorläufig festgenommen. Ihre Verhaftung ist das spektakuläre Ende einer wochenlangen Odyssee auf hoher See. Wie kam es so weit? Was ist in den drei Wochen auf See passiert?

Im Dokumentarfilm "SeaWatch3", für den Komponist Nils Frahm die Musik schrieb, können die Zuschauer hautnah miterleben, was später weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Filmemacher Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg haben all das dokumentiert. 21 Tage lang waren sie an Bord der "Sea-Watch 3". Vom Auslaufen bis zur Verhaftung. Sie filmen, als die Freiwilligen der Sea-Watch-Crew 53 Menschen aus einem Schlauchboot im offenen Meer retten. Sie filmen, als um zwei Uhr morgens plötzlich die italienische Polizei an Bord kommt und eine persönliche Warnung von Innenminister Matteo Salvini überbringt.

Und: Sie hören die Geschichten der Geretteten, die ihnen nach und nach vom Horror Libyens erzählen. "Sie haben Menschen die Kehle durchgeschnitten. Sie haben Menschen vor unseren Augen verbrannt", erzählt eine junge Frau, die ihren Peinigern irgendwann entkommen konnte. "Lieber ertrinken wir im Meer, als dass auch uns die Kehle durchgeschnitten wird." Die Filmemacher dokumentieren, wie Kapitänin Rackete unermüdlich mit den Behörden verhandelt.

Als Kailouli und Schreijäg für diesen Film aufbrachen, hatte sich lange Zeit kaum jemand mehr für die Situation auf dem Mittelmeer interessiert. Die staatliche Seenotrettung war eingestellt, viele private Rettungsschiffe waren beschlagnahmt. Das Sterben war aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden und hatte doch nie aufgehört. Ihr Film dokumentiert ein dramatisches Stück Zeitgeschichte. Es ist ein außergewöhnlich ehrliches Protokoll einer Rettungsmission, deren Kapitänin unfreiwillige Berühmtheit erlangt, als sie 53 Menschen rettet, Salvini die Stirn bietet und so den Kurs der gesamten EU-Migrationspolitik in Frage stellt.


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